Flugzeugunglück über Deutschland

Durch den Zusammenprall zweier Maschinen nördlich des Bodensee starben am 1. Juli 2002  71 Menschen. Die Menschen am Boden hatten grosses Glück: Durch die im Umkreis von 30 km niedergehenden Trümmer wurde niemand verletzt. 

Als Ursache wurde in den Medien zunächst Unfähigkeit der russischen Piloten, dann Fehler der schweizerischen Flugsicherung vermutet. Die Auswertung der Flugschreiber ergab Fehler der Flugsicherung in Zürich.

Die wichtigste Ursache blieb bisher jedoch völlig unerwähnt: 

Am 24.1.2002 trat in mehr als vierzig Staaten in Europa und Nordafrika eine neue Regelung, die RVSM ("Reduced Vertical Separation Minima") in Kraft: Weil durch das starke Anwachsen des Flugverkehrs der Luftraum über Europa zu voll geworden ist, wurde durch diese Regelung der vertikale Sicherheitsabstand zwischen den Flugzeugen halbiert.  

Das internationale Abkommen betrifft den Flugverkehr im oberen Luftraum ab einer Flughöhe von 21 000 Fuß (9 100 Meter). Bislang mussten Flugzeuge, die oberhalb dieser Höhe flogen, einen vertikalen Mindestabstand von 2 000 Fuß (600 Meter) zu den Maschinen halten, die oberhalb oder unterhalb von ihnen unterwegs waren. Durch RVSM wurde dieser Sicherheitsabstand auf 300 Meter halbiert. 

Die beiden Flugzeuge, die am 1.7.2002 kollidierten, flogen in 12 000 Meter Höhe. Ihre Flugkorridore unterlagen der neuen Regelung.

Menschliches und technisches Versagen wird nie vollständig ausgeschlossen werden können. Die Aufgabe von Sicherheitsregelungen ist es, die Wahrscheinlichkeit und die Folgen menschlichen und technischen Versagens zu reduzieren. In den letzten Jahren wurden im Luftraum über der Bundesrepublik Deutschland jährlich 12 - 21 Beinahe-Zusammenstösse von Flugzeugen registriert. Der Beschluss, die Sicherheitsabstände zwischen den Flugzeugen zu reduzieren, um die Kapazität des Luftraumes für den Flugverkehr zu erhöhen, wird in Zukunft die Wahrscheinlichkeit von  Flugzeugkatastrophen erhöhen.

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