|
UPI-Bericht Nr. 38
Einleitung
Technische Gegebenheiten
Verkehrskonzept Friedberger Landstraße
|
Die Untersuchung ergab, daß die o.g. Ziele auf dem gesamten Verlauf der Friedberger Landstraße erreicht werden können. Dazu schlägt das Umwelt- und Prognose-Institut folgendes Verkehrs-Konzept vor:
|
Zu 1.: Die Anlage einer Bus-Spur im Bereich zwischen Seiler-Straße und Friedberger Platz bzw. Rohrbachstraße und Friedberger Warte schafft Platz für den Bus-Verkehr und eleminiert die Behinderungen durch den MIV. Die Bus-Spuren sollen durch Beschilderung für Taxis und Fahrräder freigegeben werden. Dadurch wird eine schnelle und relativ sichere Fahrrad-Verbindung auf der Straße geschaffen. Die Bus-Spur wird auf dem heutigen äußeren MIV-Fahrstreifen eingerichtet. Da die Bus-Spur von Taxis und Fahrrädern mitbenutzt wird, sollte die Breite mindestens 4,50 m, besser 4,75 m betragen. Wo dies nicht möglich ist, sollten Fahrstreifenbreiten von 3,00 bis 3,25 m gewählt werden. Dadurch können Überholvorgänge mit zu geringem Seitenabstand auf dem Bustreifen verhindert werden. Durch eine entsprechende rechtliche Regelung (unterbrochene Seitenlinie) sollte in diesen Bereichen ermöglicht werden, daß Busse Fahrräder unter Inanspruchnahme der Nachbarspur überholen. Demgegenüber sind Umweltspurbreiten von 3,25 und 4,50 m sicherheitstechnisch ungünstiger zu beurteilen, da sie zu zu geringen Abständen beim Überholen von Fahrrädern führen. |
Zu 2.: Im Bereich der Engstellen ist die Anlage einer separaten Bus-Spur aus Platzgründen nicht möglich. In diesem Streckenabschnitt ist das Konzept eines Kooperativen Verkehrsmanagements (Zeitdifferenzierung statt Flächendifferenzierung, siehe auch UPI-Bericht 24) möglich. Das Grundprinzip des Konzepts besteht in der Schaffung einer gemeinsamen Fahrspur für den MIV und den ÖV. Durch ein intelligentes Verkehrsleitsystem wird gewährleistet, daß die Fahrzeuge des Öffentlichen Verkehrs auf Anforderung einen zeitlichen Vorrang erhalten. Nach Einfahren der Fahrzeuge in die gemeinsame MIV-ÖV-Spur wird diese wieder normal von Fahrzeugen des MIV genutzt. Da heute im Durchschnitt nur alle 5 Minuten und bei einer Takt-Verdoppelung der Bus-Linie nur alle 3,3 Minuten ein Fahrzeug des ÖV die Strecke benutzt, wird die Leistungsfähigkeit der Fahrspur für den MIV nur geringfügig verringert. |
Durch eine zeitliche Trennung der Verkehrsarten im Bereich der Engstellen werden durch eine ÖV-abhängige Lichtsignalsteuerung die Fahrzeuge des ÖV an die Spitze von Fahrzeugpulks gesteuert. Die Streckenabschnitte der Engstellen werden beim Einfahren der ÖV-Fahrzeuge erforderlichenfalls priorisiert von vorausfahrenden Kraftfahrzeugen geräumt (Grün für MIV in Fahrtrichtung). Das Überholen der ÖV-Fahrzeuge durch den MIV ist in den beiden Streckenabschnitten wie heute auch schon bei der Straßenbahn nicht möglich. |
Dieses Konzept wurde in die neueste Auflage der "Empfehlungen für die Anlage von Hauptverkehrsstraßen" des Bundesministeriums für Verkehr aufgenommen und ist damit zuschußfähig. |
Technisch besteht das Konzept des Kooperativen Verkehrsmanagements aus folgenden Elementen: |
|
||
|
||
|
||
|
Das kooperative Verkehrsmanagement der Doppelnutzung mit ÖV-Vorrang läuft technisch wie folgt ab: |
In einer ausreichenden Entfernung von der ÖV-Schleuse gibt das ankommende ÖV-Fahrzeug eine Anforderung an den Zentralrechner (bei Straßenbahnen automatisch über Induktionsschleife, bei Bus über Funk oder über Induktionsschleifen in der Busspur). Der Zentralrechner mißt daraufhin über Induktionsschleifen die Dichte und Fahrgeschwindigkeit des Kraftfahrzeugverkehrs. |
Aus den Daten der Grün-Abflußzeiten und eventueller Staus berechnet der Computer den optimalen Zeitpunkt, zu dem die Lichtsignalanlage der ÖV-Schleuse auf Rot und weitere in Fahrtrichtung liegende Lichtsignalanlagen für den MIV auf Grün geschaltet werden müssen, damit die ÖV-Fahrbahn zum Eintreffen des ÖV-Fahrzeugs von Kraftfahrzeugen frei ist. |
Damit hat das ÖV-Fahrzeug freie Bahn und kann die Strecke ohne Behinderung durch Kraftfahrzeuge durchfahren. |
Hat das ÖV-Fahrzeug die ÖV-Schleuse passiert, wird diese für Kraftfahrzeuge wieder auf Grün geschaltet, so daß Kraftfahrzeuge in die ÖV-/MIV-Fahrbahn einfahren können. Fahren sie unmittelbar nach Passieren eines ÖV-Fahrzeugs ein, fahren sie die Strecke hinter dem ÖV-Fahrzeug her. Dies stellt im Vergleich zu heute bei der Straßenbahn keine Verschlechterung für den MIV dar, da Kraftfahrzeuge die Straßenbahn in der Friedberger Landstraße im Bereich der Engstellen auch heute nicht überholen können. |
Im überwiegenden Teil der Zeit, in der kein ÖV-Fahrzeug die ÖV-/MIV-Fahrbahn beansprucht, kann der MIV unabhängig vom ÖV wie heute die Fahrbahn benutzen. |
Der äußere heutige schmale MIV-Fahrstreifen im Bereich der Engstellen wird in eine Fahrrad-Spur mit Sicherheitsstreifen umgewandelt. Die Aufteilung des Straßenraums zeigt die Grafik "Friedberger Landstraße im Bereich der Engstellen". |

Den zeitlichen Ablauf des ÖV-Vorrangs und der Verteilung der Verkehrsarten bei der Einfahrung in den Bereich der Engstellen zeigen die nachfolgenden 2 Grafiken "Bus -Vorrang auf gemeinsamer ÖV-MIV-Spur Phase 1 und 2". Die Grafiken zeigen die Situation beispielhaft beim Einfahren in den Bereich der Engstellen. |
Die Grafiken seien am Beispiel des Bus-Vorrangs im folgenden erläutert: |
Phase 1: Der Bus meldet sich beim Heranfahren an die Engstelle auf der eigenen Bus-Spur an. Dadurch erhalten die auf der getrennten MIV-Spur fahrenden Kraftfahrzeuge im Rahmen einer Bus-Schleuse rot. Gleichzeitig wird durch Induktionsschleifen auf der ÖV-MIV-Fahrbahn im Bereich der Engstellen gemessen, ob diese noch von MIV-Fahrzeugen belegt ist. Wenn dies der Fall ist, erhalten diese Fahrzeuge in Fahrtrichtung (incl. Linksabbieger) grün und verlassen dadurch die ÖV-MIV-Fahrspur. Diese Räumung der ÖV-MIV-Fahrspur wird sinnvollerweise über mehrere Knoten hinweg im Rahmen einer Grünen Welle organisiert. |
Der Bus fährt dadurch in eine meistens freie ÖV-MIV-Spur ein und durchfährt diese, da sie nur eine Haltestelle am Ende der Engstelle enthält, in einem Zug. |

Phase 2: Unmittelbar nach Einfahren des Busses erhalten die kurze Zeit angehaltenen Kraftfahrzeuge grün und fahren (wie heute schon hinter der Straßenbahn) hinter dem Bus durch die Engstelle. Nach dem Verlassen der Engstelle fährt der Bus auf eine eigene Bus-Spur, die Kraftfahrzeuge auf eine wieder eigene MIV-Spur. |

Analoges gilt für den zeitlichen Vorrang der Fahrzeuge der. In südlicher Richtung besteht am Ende der Engstelle eine Straßenbahn-Haltestelle, bei deren Anfahren die hinter der Straßenbahn fahrenden MIV-Fahrzeuge kurz warten müssen. Dies stellt jedoch keinen Unterschied im Vergleich zu heute dar, da auch heute die auf 2 MIV-Spuren fahrenden Kraftfahrzeuge bei einer an dieser Haltestelle haltenden Straßenbahn warten müssen. |
Zu 3: Der Platz im Bereich der Engstellen reicht nicht mehr für die getrennte Anlage einer eigenen MIV-Spur. Deshalb wird die jeweils rechts am Fahrbahnrand liegende Spur in eine Fahrrad-Spur mit Sicherheitsstreifen umgewandelt. Dies ermöglicht eine durchgängige sichere und schnelle Fahrrad-Verbindung auch im Bereich der Engstellen. |
Zu 4: Im Bereich zwischen Mauerweg/Gauß-Straße und Rohrbach-Straße sollte die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf Tempo-30 begrenzt werden. In diesem Bereich liegt eine dichte Bebauung vor, in der rund 1 500 Menschen wohnen. Die Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit reduziert die Lärm-Emissionen des Kraftfahrzeug-Verkehrs und verbessert die Überquerungsmöglichkeiten der Straße für Fußgänger deutlich. Der Einfluß von Tempo-30 auf Fahrzeuge des Öffentlichen Verkehrs in diesem Bereich ist gering. Messungen ergaben eine durchschnittliche Fahrtzeitverlängerung um insgesamt 8,4 Sekunden. (siehe Grafik)
|
Begleitende Maßnahmen: |
Taktverdichtung des ÖPNV |
Um die Umsteigemöglichkeiten vom Auto in den Öffentlichen Verkehr zu verbessern, sollten sowohl die Takte des Busses verringert als auch eventuelle neue ÖPNV-Verbindungen geprüft werden. Das Fahren der ÖPNV-Fahrzeuge auf einer durchgängigen eigenen flächen- bzw. zeit-differenzierten Fahrspur ermöglicht auf dieser Strecke eine attraktive Verbindung vom Norden in die Frankfurter Innenstadt. |
Fahrrad-Verkehr |
Gleiches gilt für die Fahrrad-Verbindungen vom Nordend in die Innenstadt. Durch zusätzliche Anschluß-Maßnahmen (z.B. Aufstell-Spuren in Knoten-Bereichen, Fahrrad-Streifen in weiteren Anschluß-Straßen) sollten die Bedingungen für den Fahrrad-Verkehr im Rahmen eines Fahrrad-Netzes verbessert werden. |
Fußgänger-Verkehr |
Im Bereich der Wohnbebauung und insbesondere im Bereich von Einzelhandelsgeschäften mit höherem Fußgänger-Verkehrsaufkommen muß eine Mindestbreite der Gehwege von 2,50 m von parkenden Autos freigehalten werden. Notfalls müssen dazu an einigen Engstellen Poller angebracht werden. |
Park-and Ride-Plätze |
Von verschiedener Seite wurden als Maßnahme zur Reduzierung des Kraftfahrzeug-Verkehrs Park-and-Ride-Plätze im Norden Frankfurts vorgeschlagen. Dabei wird die Effektivität von Park-and-Ride jedoch in der Regel deutlich überschätzt. Dies mag ein einfaches Rechenexempel zeigen: Würden im Norden (z.B. zwischen Friedberger Warte und Bad Vilbel) z.B. 500 Parkplätze gebaut, dann würde dadurch auch unter der überaus optimistischen Annahme, daß alle Parkplätze immer voll ausgelastet sind und alle dort parkenden Fahrzeuge vorher nur durch die Friedberger Landstraße gefahren wären, die Zahl der Kraftfahrzeuge in der Friedberger Landstraße gerade um 1,5% abnehmen (500 von 30 000 KFZ pro Tag). Nimmt man realistisch an, daß ein solcher Park-and-Ride-Platz nur zu zwei Dritteln ausgelastet wäre und die Hälfte der dort parkenden Fahrzeuge vorher durch die Friedberger Landstraße, die andere Hälfte z.B. über den Alleen-Ring gefahren wären, dann könnten dadurch gerade ein halbes Prozent der Fahrzeuge auf den Öffentlichen Verkehr umgelagert werden. Effektiver als Park-and-Ride ist es deshalb, zusätzliche attraktive Verbindungen des Öffentlichen Verkehrs vom Umland in das Zentrum Frankfurts zu schaffen. |
| Die genauen Änderungen in der Friedberger Landstraße im Vergleich zu heute sind in der Grafik dargestellt. |

Das Konzept hat eine Reihe positiver Wirkungen, die in der Grafik "Verkehrskonzept Friedberger Landstraße" zusammengefaßt dargestellt sind: |

|
||
|
||
|
||
|
||
|
||
|
||
| Nachtrag 2003 und 2008: Das Konzept des Kooperativen Verkehrsmanagements mit einer Verbesserung für alle Verkehrsteilnehmer wurde im Jahr 2002 auf der Bundesstrasse 3 im Bereich Brückenstraße und in den Jahren 2006 und 2007 auf der Bundesstrasse 3 im Bereich Handschuhsheimer Landstraße/Steubenstraße und Rottmannstraße in Heidelberg realisiert. |
UPI-Bericht 38. Umgestaltung enger Hauptstraßen mit MIV, ÖV und
Fahrradverkehr am Beispiel Friedberger
Landstraße Frankfurt/Main", April 1996 5,- Euro
Bestellformular Seitenanfang UPI-Berichte